An Ostern fliegen die Glocken

Die Wetterdame im Fernsehen rollt die Augen, weil die Kälte und der Regen nicht verschwinden wollen. Und dann sagt sie: „Mal sehen, wie das Wetter am Wochenende wird, wenn die Glocken nach Rom fliegen.“

Ostern (Pâques) steht vor der Tür, und dann fliegen bei Le Nachbar die Glocken davon. Deswegen gibt es in den Läden der Chocolatiers zurzeit edelste Schokoladenglocken in allen Größen. Zwar hat an Ostern in Frankreich inzwischen auch der Osterhase seinen Auftritt  – aber nicht so sehr wie in Deutschland.

Ab Gründonnerstagabend und Karfreitag (der hier kein Feiertag ist) verstummen die Glocken in den katholischen Kirchen bis zum Osterfest. Wie in Deutschland wird damit an die Kreuzigung von Jesus Christus erinnert. Die Kinder bekommen folgende Geschichte erzählt: Die Glocken verstummen nicht nur, sie fliegen nach Rom. Dafür wachsen ihnen Flügel. In Rom werden sie gesegnet und machen sich dann wieder auf den Rückweg, um von der Auferstehung Jesu zu berichten. Das Schöne ist: Sie wurden in Rom vollgepackt mit Schokoladeneiern und anderen Süßigkeiten, die dann beim Rückflug in die Gärten, Felder, Appartments und auf die Balkone purzeln. Auch Zuckereier, Schokomeeresfrüchte und Muscheln sind darunter. Und Fische aus Schokolade.

Diese Schokoglocken fliegen nicht

Diese Schokoglocken fliegen nicht

Es gibt zahlreiche Theorien, warum der Fisch in diesen Tagen so eine wichtige Rolle spielt. Die Franzosen nennen ihren Aprilscherz „Aprilfisch“, also Poisson d’Avril. Ein Grund für die Aprilscherze könnte die Kalenderreform des französischen Königs Karl IX. gewesen sein. Denn der verlegte 1564 das Neujahr vom 1. April auf den 1. Januar. Viele Menschen wollten diesen Wechsel im Kalender nicht akzeptieren – und wurden von den anderen als April-Narren verspottet. Andere Theorie: Der 1. April lag oft am Ende der Fastenzeit, in der die Christen kein Fleisch, aber Fisch essen durften. Manche schenkten dann demjenigen einen falschen Fisch, über den sie sich lustig machen wollten. Der Fisch ist zudem ein christliches Motiv, und er ist das letzte Winter- und Tierkreiszeichen. Auch war einst das Angeln im April verboten. Deswegen schenkte man sich gern zum Scherz Fische, um so zu tun, als hätte man gegen das Verbot verstoßen. Auch die Feiern zum Frühlingsanfang könnten feuchtfröhlich gewesen sein – und für viele Scherze gesorgt haben.

Wie auch immer: Erwachsene sollten sich in Frankreich am 1. April hüten. Denn die Kinder versuchen dann gerne, Papierfische an die Rücken der Großen zu kleben.

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