Paris-Tipp: Flanieren am Bassin

Langsam gleitet auf dem Bassin de la Villette ein Ausflugsboot vorbei. Boule-Kugeln klacken vor der „Bar Ourcq“ – zwei Teams spielen gegeneinander. Leihen kann man sich die Kugeln für das Pétanque-Spiel gratis in der Bar. Ihr Besitzer Jérôme Naccache sitzt an einem Tisch und sichtet Rechnungen. Beinahe 15 Jahre schon betreibt er die Bar, sie ist eine kleine Institution hier am Bassin im Nordosten von Paris. Naccache erinnert sich: Damals hatte diese Ecke die Pariser kaum interessiert. Erst als das beliebte Doppelkino MK2 an beiden Ufern erbaut wurde, lockte das die Leute hierher. „Heute haben wir hier den Ansturm der Bobos wie in den anderen Vierteln“, sagt Naccache. Bobos, Bourgois-bohèmes, so nennen die Franzosen die alternativen Wohlstandsbürger.

Boote am Bassin de la Villette

Am Bassin de la Villette ist eine der schönsten Promenaden der Stadt, hier findet man Ruhe vor Autolärm und auch vor Touristen. Naccache mag das Flair. „Jungs aus den nördlichen Vorstädten, orthodoxe Juden, Obdachlose, Künstler, Bobos – sie alle kommen hierher.“ Im August veranstaltet die Stadt auch einen Ableger der Strand-Aktion „Paris Plages“ hier am Wasser.

Ein paar Schritte weiter sitzen auf der Terrasse des „Pavillon des Canaux“ zwei Frauen bei Kuchen und Tee. Aus dem früheren Kanalwärterhäuschen ist ein hübsches Café geworden, manchmal gibt es Kinderprogramm, Pilates und Workshops. Schüler ziehen aus dem Bootshaus nebenan Kanus und damit auf dem Wasser ihre Bahnen. Auf der Terrasse des Brauhaus „Paname Brewing Company“ schauen ihnen Leute bei einem Nachmittagsbier zu.

Man kann das Bassin auch auf einem Fußgängersteg überqueren.

Das Bassin lässt sich schön umrunden vorbei an den zu Wohnhäusern umgebauten Lagerhallen auf die andere Uferseite – am besten über die letzte Hebebrücke von Paris in der Rue de Crimée. Dieser „pont levant“ grenzt das Bassin ab vom Canal de l´Ourcq, der hochführt zum Parc de la Villette mit seinen Konzerthallen, der bei Kindern beliebten Cité des Sciences et de l´Industrie und der neuen Pariser Philharmonie. Erbaut wurde die Hebebrücke 1884 von demselben Betrieb, der die Fahrstühle des Eiffelturms installierte. Zirka 9000 Mal im Jahr hebt und senkt sich die Stahlbrücke, von einer Fußgängerbrücke nebenan kann man das Spektakel gut beobachten.

Kleine Zwangspause: Warten an der Hebebrücke (gerade oben), bis die Boote durch sind.

Wenn man dann auf der anderen Seite zurückläuft kommt man bei der Rue Riquet an den Bars „Le Bellerive“ und „Le Bastringue“ vorbei, wo die Einheimischen am späten Nachmittag beim Aperitif sitzen und gen Wasser schauen, als läge Paris am Meer. Etwas weiter dann liegen fest vertäut zwei Péniches, zwei alte Kähne, die zur Bar bzw. Bar-Theater umfunktioniert wurden. Wer aktiver sein will und nicht nur beim Glas Wein sitzen will, kann beim benachbarten Bootsverleih sich ein Boot leihen und ein bisschen umherkurven auf dem Wasser. Sogar für Kinder gibt es eine Boote – nur die Preise fürs Leihen erinnern daran, dass man in Paris ist und nicht an einem Strand in der Provinz.

Bar Ourcq, 68, Quai de la Loire, in der kälteren Jahreszeit nur Do, Fr, Sa, So ab 15 Uhr; Pavillon des Canaux, 39, Quai de la Loire, täglich ab 10 Uhr; Métro: Jaurès

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