Le moment

Bild

Avenue d´Ivry, Paris, 13. arrondissement

Advertisements

Paris-Tipp: Im Winter nach Paris

EINS // AUF DEM EIS

Die Wolken reißen auf, die Sonne scheint mitten auf das Eis.  „Attention!“, ruft ein Franzose und gleitet knapp an seinem Nachbarn vorbei. Schüler mit Mützen und dicken Wollschals stehen auf Schlittschuhen an der Seitenwand und plauschen, bevor sie weiter ihre Runden drehen.

Auf dem Platz vor dem Hôtel de Ville, dem Pariser Rathaus, ist eine große Eislaufbahn aufgebaut. Am frühen Nachmittag sind noch nicht viele hier. Anfänger wackeln, versuchen, sich auf den Kufen zu halten. Liebespaare fahren Händchen haltend, aber das hält nur bis zur nächsten Kurve. Gleichzeitig rasen Profis an ihnen vorbei, die zeigen wollen, wer der Eis-König ist. Das Hôtel de Ville, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Stil der Neorenaissance erbaut, bietet ihnen für ihre Show die perfekte Kulisse.

Dahingleiten inmitten von Paris

Dahingleiten inmitten von Paris (Foto vom Januar 2013)

Manche stehen kaum auf dem Eis, da müssen sie wieder runter: „Bitte zum Ausgang gehen“, sagen Mitarbeiter. Eine schwere Maschine fährt auf das Eis, um die Bahn zu präparieren. Nach einer halben Stunde strömen alle wieder auf die Fläche – drehen ihre Kreise, schauen zu den Türmen der nahe gelegenenen Kathedrale Notre-Dame. Sie gleiten gedankenverloren dahin, während auf der Rue Rivoli die Autos ihren gewohnten Stau fabrizieren.

Fröstelfröstel. Irgendwann kriecht die Kälte die Beine hoch. Sehnsucht nach einer Tasse Tee und einem Stück Kuchen. Wie schön, dass auf der anderen Seite der Rue Rivoli das Marais-Viertel beginnt – eine beliebte Shoppinggegend voller Brasserien und Cafés. Während am Ende der Rue des Rosiers Falafelstände um die Hungrigen werben, versteckt sich in der Hausnummer 3 das Tagescafé „Le Loir dans la Théière“. Ein Schild im Fenster verbietet Laptops und Handys. Drinnen hängen Plakate von Galerien an den Wänden, auf Sofas und alten Stühlen sitzen die Gäste. Auf einem Schränkchen mit Marmorplatte warten Kuchen darauf, in Mündern zu verschwinden. „Was darf ich Ihnen bringen?“, fragt die Bedienung, während die blaue Stunde beginnt.

ZWEI // VOM REGENWALD IN DEN HIMMEL

Raureif am Morgen. Die Pariser joggen trotzdem. Schon am Vormittag ist der Jardin des Plantes im Südosten der Stadt voller sportlicher Großstädter. Aber man kann hier auch anders warm werden. Nämlich in den Gewächshäusern des Jardin.

Palmen ganz nah: Gewächshaus im Jardin des Plantes

Palmen ganz nah: Gewächshaus im Jardin des Plantes

Von draußen sieht man schon, wie die großen Bäume und Palmen ihre Blätter an die Scheiben und die Stahlkonstruktion drücken. Drinnen begrüßen einen Bananenstauden. Im ersten Gewächshaus ist es warm – und feucht. Dampfdüsen sorgen für Tropenklima. Ruhe inmitten der Großstadt, nur das Geräusch einiger auf die Blätter herabfallender Wassertropfen ist zu hören. Farne, Orchideen, ein kleines Bächle. „Den Winter überstehe ich nur, weil ich hier drin arbeiten kann“, sagt der Mitarbeiter des Gewächshauses und grinst.  Auch Wüstenpflanzen aus Südafrika, Mexiko oder der Sahara stehen in den Gewächshäusern.

Wieder draußen, will man sich noch von innen wärmen. Die Große Pariser Moschee ist gleich nebenan. Ein Glas süßer Tee und ein süßes orientalisches Stückchen kosten hier nicht die Welt. Die hohen Pflanzen aus dem Gewächshaus machten Lust auf Höhe. Auf Paris blicken? Im Winter bringt einen das Riesenrad an der Place de la Concorde in den Himmel. Mit der Métro ist man schnell dort. Langsam nimmt einen das Rad mit nach oben. Immer wieder bleibt es stehen, damit neue Leute einsteigen können. La Grande Roue besteht aus 400 Tonnen Stahl und ist 60 Meter hoch.

Blinkblink in der Nacht: La grande roue in Paris

Blinkblink in der Nacht: La grande roue in Paris

Grand Palais, Eiffelturm, Opéra Garnier, Nationalversammlung – Paris liegt einem zu Füßen. Unten kreist der Verkehr um den Obelisken auf der Place de la Concorde. In den Tuilerien reiten zwei Parkaufseher –  von hier oben sehen sie ganz klein aus. Vor einem liegen die Champs-Elysées und am Ende der Triumphbogen. Während sich auf der weihnachtsbeleuchteten Prachtallee die Massen auf dem Weihnachtmarkt drängen, schieben sich hier oben nur die Wolken vorbei. Wer nach oben schwebt, wenn es schon dunkel ist, sieht zur vollen Stunde für ein paar Minuten den Eiffelturm funkeln und glitzern.

Nach ein paar Runden hat einen die Erde wieder. Direkt nebenan, das Jeu de Paume. Ein Museum für Fotografie, Film- und Videokunst, das in diesen Tagen Photos und Zeichnungen von Erwin Blumenfeld (1897-1969) zeigt. Zu sehen sind Blumenfelds Modefotos, die einst die Titelbilder der Vogue zierten. Aufnahmen aus Berlin, New York und Paris. Seine Arbeiten für die Werbung. Aber auch seine kritischen Fotomontagen, die er nach der Machtergreifung Hitlers gemacht hat.

Schon wieder Zeit, sich zu stärken. Nur wenige Meter weiter, in der noblen Rue Royale, glitzert die Weihnachtsbeleuchtung. Bei Ladurée in der Nähe der Place de la Madeleine weist einem die Bedienung den Platz zu. Weicher Teppich unter den Füßen. Macarons-Liebhaber sind hier richtig. Die runden, bunten Doppeldeckerkekse zergehen einem auf der Zunge. Und draußen, auf der Rue Royale, schmelzen ein paar erste Schneeflocken.

DREI // NEUJAHR IM FEBRUAR

Rein in die Métrolinie 14. Kein Zugführer, nirgends. Die Züge der 14 werden ferngesteuert. Wer es schafft, in dem langen Zug ganz vorne am Fenster zu sitzen, kann hineinschauen in den dunklen Tunnel. Unheimlich und aufregend. Eine Touristin nimmt die ganze Fahrt durch den Bauch von Paris mit dem Handy auf.

Die 14 rauscht schnell durch die Stadt in den Südosten von Paris. Endstation Olympiades. Willkommen im größten asiatischen Viertel Frankreichs. Chinatown. Ein Block voller Hochhäuser. Vor 30 Jahren wurden sie errichtet, um jungen französischen Familien Wohnungen zu bieten. Doch die wollten da nicht einziehen. Stattdessen kamen viele Asiaten – Flüchtlinge aus den Kriegsländern Vietnam, Laos und Kambodscha.

Es ist ein Sonntag Anfang Februar. Vorne an der Avenue d´Ivry stehen Tausende dicht gedrängt am Straßenrand und warten schon lange, dass der Umzug losgeht. Eltern kaufen ihren Kindern große bunte Luftballons mit der Aufschrift „Bonne année“. Paris feiert einen Monat nach Silvester noch einmal Neujahr – dieses Mal das chinesische.

Plötzlich knallt und knattert es eine halbe Minute lang – ein Paar schreit vor Schreck. Leute weichen zurück, halten sich schützend die Arme vors Gesicht: Eine Kette voller Knallfrösche geht in Rauch und roten Papierfetzen auf. Heute muss man darauf aufpassen, ob der nächste Baum mit Krachern garniert ist.

Paris? Paris!

Paris? Paris!

Chinesische Musik ertönt. Fahnen schmücken die Straßen und wünschen alles Gute fürs neue Jahr. Es geht los. Männer tragen rote Laternen vorbei. Knallrote Drachen rasen auf die Zuschauer zu, goldene Pappschlangen winden sich nach oben und unten. Jugendliche tragen rote Fische vorbei, andere haben weiße Pferde umgeschnallt und tragen farbenfrohe Umhänge. Die Zuschauer klatschen und jubeln. Es ist ein Fest für die Augen.

Endlos scheint dieser Zug der Farben, Vereine, schrillen Wesen. „Das ist unser großes Fest im 13. Arrondissement“, sagt Ly Pheng, der einen Laden mit Winkekatzen, Teeservice und asiatischem Krimskram in der Avenue de Choisy hat. 1975 kam er aus Kambodscha hierher. „Das ganze Viertel ist bei dem Umzug auf den Beinen.“ Wem plötzlich die Füße eiskalt werden, der kann sich in den „Supermarkt Asiens“ flüchten mit dem Namen Tang Frères. Eine andere Lebensmittelwelt: Vietnamesisches Nougat, Sprossen, Kräuter. Nem, Nudeln in allen Formen, asiatische Saucen. Man kann das Konservendosenratespiel machen – was ist da wohl drin? Litschies? Kokosmilch? Man ist in Paris. Und irgendwie auch nicht. Klar, dass jetzt der Magen zu knurren beginnt. Ein Blick durch die Fensterscheiben der vielen asiatischen Restaurants in Chinatown hilft bei der Auswahl: Sitzen dort viele Asiaten, wird man dort sicher sehr lecker essen können. Und billiger als  inmitten von Paris sowieso. Die Métro bringt einen wieder zurück an die Seine. An den Schuhen Konfetti und Kracherreste.

Nix Sesamstraße, sondern Avenue d´Ivry

Nix Sesamstraße, sondern Avenue d´Ivry

INFORMATIONEN UND ÖFFNUNGSZEITEN

Eislaufen vor dem Hôtel de Ville: 21. Dezember 2013 bis 2. März 2014, wochentags 12 bis 22 Uhr, am Wochenende und Feiertagen 9 bis 22 Uhr, gratis für Leute mit eigenen Schlittschuhen oder 5 Euro Leihgebühr. Handschuhe sind Pflicht. Weitere Eisbahnen im Dezember und Anfang Januar auf den Champs-Elysées und am Trocadéro.

Riesenrad Place de la Concorde bis 16. Februar 2014, 11 Uhr bis Mitternacht. Erwachsene 10 Euro, Kinder bis 12 Jahre 5 Euro.

Jahrmarkt mit Riesenrad unter der großen Kuppel im berühmten Grand Palais, 21. Dezember 2013 bis 5. Januar 2014. http://www.grandpalais.fr

Weihnachtsmärkte  zum Beispiel auf den Champs-Élysées und auf der Place du Trocadéro, beide bis 5. Januar.

Chinesisches Neujahrsfest: Termine der Umzüge (Anfang Februar) werden bald auf www.paris.fr und auf http://www.chine-informations.com veröffentlicht. Umzüge gibt es sowohl in Chinatown (13. Arrondissement), als auch im Marais (Rue du Temple,  Rue au Maire, Rue du Turbigo) sowie im Viertel Belleville.

Nachtrag am 16. Januar 2014: Die Termine für 2014 sind nun bekannt – siehe http://quefaire.paris.fr/programme/76484_nouvel_an_chinois_2014

Asien-Supermarkt Tang Frères, 44, avenue d´Ivry. Métro Tolbiac oder Porte d´Ivry.

Gewächshaus im Jardin des Plantes: Öffnungszeit im Winter von 10 bis 17 Uhr. Dienstags geschlossen. www.jardindesplantes.net. Métro Jussieu oder Place Monge.

Jeu de Paume, Ausstellung Erwin Blumenfeld, bis 26. Januar 2014. Montags geschlossen. http://www.jeudepaume.org