Angriff auf ein Sandwich

Ein nationales Monument: So etwas ist der Eiffelturm oder das Straßburger Münster. Auch für Gérard Depardieu kann man diese Bezeichnung durchgehen lassen. Aber für ein Sandwich?

Die Zeitung „Le Figaro“ spricht von einem Angriff der Fastfoodkette Mc Donald’s auf  ein Nationalmonument der Franzosen, den „jambon-fromage“. Das ist hierzulande das meistgeliebte und meistgekaufte Sandwich. Mittags oder zwischendurch, wenn der Magen knurrt, holt Le Nachbar sich das gerne beim Bäcker oder in einer Sandwicherie (das Wort gibt es tatsächlich).

33 Jahre nach seiner Ankunft in Frankreich verkauft McDo seit dieser Woche ein Menü „Casse-Croûte“  (Imbiss). Wer 4,50 Euro bezahlt, bekommt ein Baguette mit Schinken und Käse, etwas Salat und einen Kartoffeltaler drauf plus ein Getränk. Im Internet wettern Franzosen schon über den Preis dieses Menüs – wo doch ein sandwich jambon-fromage beim Bäcker viel billiger sei. Die Bäcker wiederum sind nicht gerade erfreut, dass ihnen jetzt ein Fastfood-Gigant mit dem Klassiker in die Quere kommt.

McDonald’s hatte es in Frankreich – dem Land, dem oft Anti-Amerikanismus vorgeworfen wurde – zeitweise nicht  leicht. 1999 zerstörte der Landwirt José Bové ein McDonald’s-Restaurant, was ihn fast zum Volkshelden machte. Halb Frankreich schimpfte über die  „Malbouffe“ (mieses Essen) der Kette. Dann der Rinderwahnsinn (BSE), der viele an Burgern zweifeln ließ. Plötzlich wollte man gesund essen, und die Fastfoodkette musste sich gesünder und weniger amerikanisch geben. Und tat es mit Salaten, mehr Früchten und Filialen, die mehr nach Restaurant aussahen.

Und heute? Die Zahlen sprechen für sich:  McDonald’s ist Fastfood-Star in Frankreich mit einem Jahresumsatz von 4,19 Milliarden Euro (2011). 1228 Restaurants gibt es. Nach den USA ist Frankreich für die Fastfoodkette der zweitgrößte Absatzmarkt.

Und doch spürt McDo auch die Wirtschaftskrise – man sucht deshalb nach neuen Ideen. Eine heißt: das Angebot dem Land anzupassen. Seit gut zehn Jahren gehe man in Frankreich in Richtung eines McDo à la française, bekennt das Unternehmen. Schon im vergangenen Jahr startete die Kette vier Monate lang den Verkauf eines „McBaguette“: warmes Baguette mit Rindfleisch, Bataviasalat, Senfsoße und Emmentaler. Die französischen Feinschmecker liebten es: McBaguette wurde zehn Millionen Mal verschlungen.

Die Kette will die Französisierung des Angebots fortsetzen. Dieses Jahr soll es auch noch ein Sandwich mit Camembert geben. Warum nicht mit Namen McCamembert?

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