Feinkost vom König

Heute aber. Mal auf den Tisch hauen, brüllen, sich das nicht mehr gefallen lassen. Das Leben ändern, Flagge zeigen, König sein. Längst ist Zeit dafür. Wenn nicht heute, wann dann?

Nur: Was isst man vor so einem kraftraubenden Moment, der dem Leben einen Dreh geben wird? Müsli? Nein! Lyonerbrötchen? Nicht doch. Wie gut hatte es die Comicfigur Popeye: Ein paar Büchsen Spinat reichten dem Matrosen, um ungeahnte Kräfte zu haben für Prügeleien und andere nötige Kraftakte. Ach gäbe es doch ein Gemüse, nach dessen Verzehr man heute ein König wär’.

Da erreicht uns eine Meldung aus Versailles. Das berühmte  Schloss verkauft in seinem Souvenirshop, aber auch in feinen Lebensmittelläden an Flughäfen und in Großstädten weltweit, ab sofort Bio-Feinkost unter dem Namen Château de Versailles. Angeboten  werden die Delikatessen unter den drei Labeln „Königlicher Garten“ für  eingelegtes Gemüse und Marmelade, „Leckerbissen der Königin“ für Süßigkeiten wie Honigbonbons und Sirup sowie „Freude des Königs“ für Gänseleberpastete, Trüffel und Suppen.

Die Leckereien richten sich nach den Vorlieben von  Sonnenkönig Ludwig XIV. (ein Erbsenfreund) und der Ehefrau von Ludwig XVI., Marie-Antoinette. Hergestellt werden die Lebensmittel von dem französischen Unternehmen „Oh! Légumes oubliés“ („Oh! Vergessene Gemüse“). Versailles verkörpere nun mal das Savoir vivre der Franzosen in der ganzen Welt – und mit der neuen Feinkost solle diese Ausstrahlung weiter genährt werden, hieß es bei der Vorstellung des Sortiments.

Das könnte funktionieren. Am Morgen den Toast bestreichen mit Versailles-Marmelade und im Großraumbüro „L’État c´est moi!“ rufen. Einen Schluck Versailles-Sirup schlürfen  und königlich selbstbewusst seinen Chefs Zitate hinwerfen aus dem Munde von Ludwig XIV.: „Ich habe nicht die Absicht, meine Autorität zu teilen.“ Bingo. Das sitzt. Versailles-Feinkost verleiht Flügel.

Touristenmassen in Versailles

Touristenmassen in Versailles

Kurze Nachfrage: Was kosten die Erbsen? Ein 220-Gramm-Einmachglas mit Koriandernote 7,35 Euro. Und das Fläschchen Lavendelsirup à la Vanille 11,90 Euro. Königliche Ware, königliche Preise!

Dann muss der Lebensdreh wohl doch noch ein wenig warten. Aber vielleicht wird Versailles ja bald auch preiswertere Revolutions-Schmankerl verkaufen?

Vorschlag: Guillotine-Schokoklingen und Bastille-Blutwurst.