Alltag mit Patrouillen

In diesen Zeiten nach Frankreich reisen? Auch Familie Salge diskutierte diese Frage vor einigen Wochen. Jetzt stehen Mutter Stefanie, Vater Peter und ihre zwei Töchter im Pariser Ostbahnhof. Sie warten darauf, dass auf den Monitoren das Abfahrtgleis für ihren TGV nach Deutschland angezeigt wird, der Urlaub geht zu Ende.

Nach dem Anschlag in Nizza grübelte die Familie, ob Paris das richtige Reiseziel sei. Genau wie viele andere Touristen fragten sie sich: Was erwartet uns vor Ort? Was hat sich in Frankreich verändert? Sind wir dort wirklich sicher? Am Ende waren es die Töchter, die vehement für Frankreichs Hauptstadt plädierten und sich schließlich durchsetzten. „Ein Anschlag kann ja überall passieren, auch in Deutschland“, sagt Peter Salge.

Die Familie aus Hildesheim hat ihre Entscheidung nicht bereut. Ein schönes Hotel mit Roof-Top-Bar auf Montmartre, der Blick vom Eiffelturm auf das Pariser Häusermeer. In Niedersachsen hatte man ihnen noch empfohlen, die Eiffelturm-Tickets schon vorab im Internet zu buchen, um Zeit zu sparen. „Doch als wir nachmittags dort ankamen, war es ziemlich leer vor den Kassen“, erinnert sich Peter Salge. Beim späteren Flanieren durch die Gassen von Paris waren die Anschlagssorgen irgendwann fast verschwunden.

Soldaten am Jardin du Luxembourg

Soldaten am Jardin du Luxembourg

Und doch ist die Angst vor dem Terror im öffentlichen Stadtbild präsent. „Vor allem durch die vielen Polizisten und Soldaten, die patrouillieren“, sagt Stefanie Salge. Was in Frankreichs Städten für Sicherheit sorgen und Einwohner wie Touristen beruhigen soll, hat auf manche Touristen eher die gegenteilige Wirkung.  „Wenn ich die Maschinengewehre sehe, habe ich eher ein Gefühl von Bedrohung“, sagt Stefanie Salge.

Was für Franzosen längst Alltag ist, irritiert vor allem deutsche Touristen, schließlich ist der Einsatz des Militärs für Polizeiaufgaben in Deutschland nur in wenigen Ausnahmefällen erlaubt. In Frankreich sind dagegen 10.000 Soldaten für die sogenannte Opération Sentinelle mobilisiert worden – vor allem in den Städten, aber auch in den ländlichen Gebieten mit touristischen Highlights.

Frankreich, Patrouillenland. Manchmal sorgt das für skurrile Momente. Wer etwa im Urlaubsmonat August eine Kanufahrt auf der Dordogne machte, die Burgen am Flussufer bestaunte und langsam vorbeipaddelte an La Roque-Gageac, dem idyllischen 500 Einwohner-Dörfchen am Fuß einer hoch aufragenden Felsklippe, der sah an manchen Tagen am Ufer Sicherheitskräfte mit Maschinengewehren im Anschlag.

Wer in Saint-Jean-de-Luz im Baskenland auf einer Terrasse seine moules marinières mit Fritten aß und aufblickte, auch der sah kräftige Soldaten in schusssicheren Westen und mit strengem Blick vorbeilaufen. Und wer in Paris durch die Gänge des Metrosystems irrt, trifft auch in diesem Herbst hin und wieder auf Grüppchen von bewaffneten Sicherheitskräften.

Manchmal werden sie sogar ins Showprogramm eingebaut. Straßenkünstler William bekommt Applaus von den Touristen, die seine Kopfstände und Akrobatik unterhalb der Basilika Sacré-Cœur betrachten, als drei Soldaten vorbeilaufen. „Das sind meine Bodyguards“, sagt er und die Leute lachen, selbst die Soldaten schmunzeln. Beatrix (59) und Roland (62) aus Saarbrücken sitzen auf den Stufen und blinzeln in die Nachmittagssonne. Sie sind schon zum achten Mal in Paris, übernachten in einer kleinen Ferienwohnung. Dieses Mal wollen sie sich das Weinfest Fête des Vendanges auf dem Montmartre anschauen. „Wir fühlen uns wie in jedem anderen Jahr auch und haben keine Angst“, versichert Beatrix. Roland ergänzt: „Und wir lassen uns das Reisen nicht vergällen.“

Straßenkünstler unterhalb von Sacré-Coeur - und seine "Bodyguards"

Unterhalb von Sacré-Coeur

Beide waren sogar zu Silvester 2015 zu Besuch in ihrer Lieblingsstadt, obwohl Paris noch traumatisiert war von den Anschlägen des 13. November. Damals schauten sie bei der Marianne-Statue auf der Place de la République vorbei, wo die Pariser all der Opfer gedachten, Kerzen aufgestellt hatten, gemeinsam trauerten. „Das hat uns sehr bewegt.“ Und sie sind dennoch wiedergekommen.

Mit dieser Jetzt-erst-recht-Haltung haben die beiden Deutschen viel gemein mit den Franzosen. Gelassenheit. Die lieb gewonnenen Freiheiten nicht einschränken lassen. Der Unkalkulierbarkeit des Lebens trotzen. Die Terroristen nicht gewinnen lassen. „Ich habe keine Angst“, sagen manche Pariser mit fester Stimme, wenn man sie fragt, ob sich etwas verändert hat nach den Anschlägen. „Il faut vivre avec“, man muss mit der Bedrohung leben.

Und doch ist Parisern wie Touristen klar: Frankreich ist nach wie vor Ziel Nummer eins der islamistischen Terroristen. Natürlich ist das ein Grund zur Sorge. Deswegen hört man von Franzosen, wenn man ein bisschen nachfragt, eben auch Sätze wie diese: „Ich schaue genau, wer neben mir in der Métro ist.“ „Mir ist mulmig, wenn ich einen herrenlosen Koffer sehe.“ „In Konzertsälen will ich wissen, wo die Notausgänge sind.“ Normalität hört sich anders an.

Seit Beginn des Sommers gab es laut France Info ein Dutzend Verhaftungen von Jugendlichen, die sich in kurzer Zeit radikalisiert hatten und angeblich Anschläge verüben wollten oder zumindest in Kontakt zum sogenannten „Islamischen Staat“ hatten. Drei Frauen planten, ein Auto voller Gasflaschen beim Bahnhof Gare de Lyon im Südosten von Paris zur Explosion bringen. Der Anschlag konnte – genau wie zahlreiche weitere seit 2015 – verhindert werden. Es gilt weiterhin der Ausnahmezustand, der Ermittlern weitgehende Befugnisse ermöglicht, ohne dass Richter ihre Zustimmung geben müssen.

Frankreichs Regierung erinnert immer wieder daran, dass sich das Land im Krieg befindet. Terrorexperten machen deutlich, dass es nicht die Frage ist, ob es wieder einen Anschlag geben wird, sondern wann und wo. Sie warnen vor Anschlägen mit Autobomben, aber auch vor „Low-Cost-Anschlägen“, solche mit einfachsten Mitteln. So wollte vor Kurzem ein Jugendlicher auf der Fußgängerpromenade Coulée verte – östlich der Bastille auf einer ehemaligen Eisenbahnlinie – mit einem Messer auf Menschen einstechen. Er wurde verhaftet, bevor er die Tat begehen konnte.

An diesem Schild kommt man in Frankreich ständig vorbei: Es gilt der Plan Vigipirate

Typisches Dreieck in Frankreich: Im Land gilt der Plan Vigipirate

Sicherheit und Wachsamkeit sind Dauerthema in den Medien und in der Politik. Die Präfekten müssen vor allem kurz nach einen Attentat abwägen, welche große Veranstaltung abgesagt wird, weil die Sicherheit der Menschen nicht gewährleistet werden kann. So geschehen mit der beliebten Grande Braderie in Lille, einem der größten Volksfeste und Trödelmärkte des Landes, das normalerweise Anfang September von mehreren Millionen Menschen besucht wird.

Doch die meisten Veranstaltungen fanden bereits kurze Zeit nach dem Terroranschlag in Nizza wieder statt. Der Marathon du Médoc in der berühmten Weingegend Südfrankreichs etwa. Bei dieser Sportveranstaltung im September nahmen 8.500 Menschen aus über 70 Nationen teil. „Das war schwer zu organisieren, aber letztlich wurde alles gut gemeistert“, sagt Yasmine Delia Greifenstein vom Tourismusverband Aquitaine.

Genau wie das beliebte Straßenkunstfestival Fest‘ Arts in Libourne im Département Gironde. Zwischen Gauklern, Straßenkünstlern und Musikern standen auch vereinzelt Soldaten mit Maschinengewehren. Das sei zwar ein seltsamer Anblick gewesen, sagt Greifenstein. „Aber wer will sich von Daech (so nennt man in Frankreich den IS) das Lachen und Spaß haben verbieten lassen?“

Auch die Badesaison ist ohne große Zwischenfälle an den Stränden vorübergegangen – abgesehen von der Burkini-Debatte. In mehreren Badeorten am Atlantik zog man eine positive Bilanz, was die Zusammenarbeit von Police Nationale, Gendarmerie, Militärs und Rettungsschwimmern angeht. Zahlreiche Polizei-Bademeister trugen diesen Juli und August erstmals eine Waffe in einer Gürteltasche am Körper. Auch nächstes Jahr solle das so gehandhabt werden, fordern viele.

Eine offizielle Saisonbilanz lässt noch auf sich warten, doch viele Hoteliers klagen schon heute. Trotz der Fußballeuropameisterschaft im Juni und Juli kamen weniger Touristen nach Frankreich als noch im Jahr 2015. Vor allem Amerikaner, Asiaten und Russen verzichteten auf ihren Frankreichurlaub. All das sind Warnsignale für die Tourismusbranche. Allein im Großraum Paris hängen 500.000, an der Côte d’Azur immerhin 75.000 Arbeitsplätze vom Tourismus ab.

Nach dem Anschlag von Nizza blieben kurzfristig zehn Prozent der Touristen der Côte d’Azur fern, der Küstenstreifen verzeichnet seit Jahresbeginn einen Umsatzeinbruch von 20 bis 25 Prozent. Betroffen waren vor allem die Hotels der mittleren und höheren Preisklasse. Ein Krisenstab wurde eingerichtet, eine Million Euro für den Tourismus zur Verfügung gestellt. „Wir haben sehr schnell damit begonnen, ein positives Image von der Côte d’Azur zu vermitteln – etwa mit dem Hashtag #CotedAzurNow“, sagt Florence Lecointre vom Tourismusverband Côte d’Azur. Werbeplakate landesweit, TV-Spots, Sondertarife in ausgewählten Hotels.

Das Schloss Chambord an der Loire meldete gerade erst einen Besucherrückgang von 6 Prozent. Hier sind es vor allem Japaner, die nicht mehr anreisen. Die Deutschen hingegen halten ihrem beliebten Reiseland die Treue. „Allerdings sind Familien mit kleinen Kindern momentan etwas zögerlicher, nach Frankreich zu reisen“, sagt Monika Fritsch von der französischen Tourismus-Marketing-Organisation Atout France in Frankfurt am Main. Allen, die Sorgen um ihre Sicherheit haben, empfiehlt sie einen Urlaub in der französischen Provinz und verspricht: „Dort stellt sich ein ganz normales Urlaubsgefühl ein.“

Buchungsrückgänge von 50 Prozent direkt nach den Anschlägen verzeichnete auch Julie Fortney, die mit ihrem Mann seit sechs Jahren kulinarische Touren durch Paris anbietet. „Sind wir denn in Sicherheit, wenn wir kommen?“, fragen die Touristen in ihren Mails. Doch wer in westlichen Ländern kann in diesen Zeiten darauf schon mit einem sicheren Ja antworten? „Wir versuchen sie zu beruhigen und sagen, dass die Polizei viel präsenter ist als früher.“

Die Bevölkerung in den großen Städten hat sich mittlerweile an all die Sicherheitsvorkehrungen gewöhnt, klaglos lässt sie unzählige Kontrollen an Eingängen über sich ergehen. Vor großen Kaufhäusern, Museen, Ämtern und Präfekturen, vor Konzerthäusern und Theatern schauen Sicherheitsleute in Handtaschen, Rucksäcke, Tüten. Der Blick ist jedoch oft so kurz und oberflächlich, dass man Zweifel an der Wirksamkeit solcher Kontrollen haben darf. „Wer sich weigert, seinen Koffer auf unseren Wunsch zu öffnen, dem können wir den Zutritt zum Einkaufszentrum Forum des Halles verwehren“, sagt ein Wachmann in der beliebten und frisch restaurierten Shoppingmall im Herzen von Paris.

Handtaschenkontrollen sind allerdings nicht die Folge der jüngsten Anschläge, sie haben nur deutlich zugenommen. Angeordnet wurden sie als Teil des Antiterrorplans Vigipirate. Ein schwarzes Dreieck mit roter Fläche und dem Hinweis „Alerte Attentat“ (Attentatswarnung) hängt an vielen Eingängen. Über 300 verschiedene Sicherheitsvorschriften umfasst dieser Plan. Er entstand Ende der 1970er Jahre als Reaktion auf einen palästinensischen Terroranschlag am Flughafen Orly. Seitdem und wurde der Plan immer wieder verschärft – etwa nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA und 2005 in London.

Der Plan Vigipirate soll vor allem die Wachsamkeit der Bürger erhöhen. Durchsagen in Bahnhöfen und Flughäfen bitten die Reisenden, keine Gepäckstücke zu vergessen oder herrenlose Taschen und Koffer sofort zu melden. Werden dennoch herrenlose Gepäckstücke gesichtet, sogenannte colis suspects, rückt der Minenräumdienst an – und die Bahn bleibt erst einmal stehen. Wer in Paris mit der Métro oder der S-Bahn RER unterwegs ist, muss sich deshalb auf so manche Verzögerung einstellen.

All diese Maßnahmen zeigen Wirkung: Die Franzosen sind aufmerksamer als noch vor einem Jahr. Laut dem Metrobetreiber RATP meldeten sie im Juni 2016 sechs Vorfälle pro Tag, das sind 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch an Flughäfen und Bahnhöfen meldeten Franzosen seit 2015 viel häufiger herrenlose Gepäckstücke und Taschen. Die meisten entpuppten sich als harmlos. 2015 mussten lediglich zehn von rund 2.200 verdächtigen Fundstücken in den Pariser Flughäfen kontrolliert gesprengt werden.

Ticketkontrollen auf dem Bahnsteig an der Gare de Lyon: Nur wer einen Fahrschein hat, darf zum Zug

Ticketkontrollen auf dem Bahnsteig an der Gare de Lyon: Nur wer einen Fahrschein hat, darf zum Zug

Wer innerhalb Frankreichs den TGV etwa von Paris nach Lyon oder Marseille benutzt, muss sein Ticket den Mitarbeitern der Französischen Bahngesellschaft SNCF oft schon am Anfang des Bahnsteigs vorzeigen. Angehörige können also nicht mehr mit zum Zug gehen, um etwa an der Zugtür noch ein Abschiedsküsschen zu geben. „Die Police Nationale macht sporadisch auch Kofferkontrollen auf dem Bahnsteig vor dem Einsteigen“, sagt eine SNCF-Mitarbeiterin an der Gare de Lyon.

Jedes Gepäckstück muss zudem mit einem Adressanhänger versehen sein. Wer im Bahnhof Gare du Nord den Thalys in Richtung Belgien oder Deutschland nimmt, sollte mindestens 30 Minuten vor Abfahrt am Gleis sein. Seit dem vereitelten Anschlag in einem Thalys-Zug von Amsterdam nach Paris im August 2015 gibt es eine Sicherheitsschleuse wie am Flughafen. Und zu guter Letzt sollen in manchen TGV-Zügen ab sofort auch zivile bewaffnete Zugbegleiter mitfahren, sogenannte train marshalls, die im Fall eines Amoklaufes eingreifen könnten.

Wegen solcher verstärkten Kontrollen ist es ratsam, einen Sicherheits-Zeitpuffer bei der Anreise zu französischen Flughäfen oder Bahnhöfen einzuplanen. Manchmal gibt es an den Flughäfen bereits an den Eingangstüren zu den Terminals Taschenkontrollen – ähnlich wie in anderen Ländern.

Der Plan Vigipirate hat manchmal auch Auswirkungen auf das Programm der Schulklassen, die ihre Austauschklassen besuchen. So dürfen Klassen im Großraum Paris nicht mit der RER nach Paris fahren. Schüler und Lehrer müssen oft selbst organisierte Reisebusse statt öffentliche Verkehrsmittel nehmen.

Die gute Nachricht: Das Leben wird weiter genossen.

Die gute Nachricht: Das Leben wird weiter genossen.

Natürlich trüben solche Sicherheitsmaßnahmen keinen Urlaub – sie kosten nur hin und wieder etwas Zeit und Nerven. In anderen westlichen Ländern erlebt man Ähnliches. Aber fragt man in französischen Office de Tourisme oder an Infoschaltern in Bahnhöfen nach einem offiziellen Faltblatt, auf dem solche Veränderungen und Verhaltenstipps zusammengefasst sind, schaut man bei den Mitarbeitern in verwunderte Gesichter. Frankreich scheint sich schwer damit zu tun, die Touristen offen über neue Sicherheitsvorkehrungen aufzuklären und ihnen Tipps zu geben, worauf sie sich während ihres Aufenthaltes einstellen müssen.

Hinweise zur Sicherheitslage und zu den Folgen des Plan Vigipirate sind auch auf Tourismuswebsites nur mit viel Geduld zu finden, meist richten sie sich an Reiseveranstalter oder Journalisten. Selbst die französische Botschaft in Berlin hat auf ihrer Website für Reisende nur einen Kurztext aus dem Jahr 2014 parat. Immerhin wird dort auch der Plan Vigipirate erläutert. Was er jedoch für konkrete Auswirkungen haben kann, bleibt unbeantwortet.

Vielleicht fürchten die zuständigen offiziellen Stellen und Ministerien, dass Ratschläge und Hinweise die Urlauber zu sehr verunsichern könnten. Dabei ist das Leben in Frankreich normaler, als es sich viele Touristen vorstellen. Während einer TV-Debatte nach dem Anschlag von Nizza erläuterte ein Sicherheitsexperte, wie die Franzosen den sogenannten Krieg gegen den Terror führen sollten: „Normal weiterleben, auf Terrassen ein Glas Wein trinken, in Konzerte gehen, seine Freiheit von den Terroristen nicht einschränken lassen.“ Genau daran halten sich die Franzosen. Und Millionen Touristen mit ihnen.

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Paris-Tipp: Alltag nach dem Terror

Wer als Tourist in diesen Tagen durch Paris flaniert, der wird sich vielleicht wundern. Einerseits über die scheinbare Normalität in einer Stadt, in der mindestens bis Ende Mai noch der Ausnahmezustand gilt. Paris genießt die ersten Frühlingstage, die Terrassen sind voller Gäste. Und die Bars, welche die Terroristen am 13. November ins Visier nahmen, sind renoviert und gut besucht.

Andererseits spürt jeder die Folgen des Terrors im Alltag. Die Sicherheitsmaßnahmen kosten die Einheimischen und Touristen oft Zeit und Nerven. Nicht erst seit 2015. Denn die Pariser sind seit Jahren an den Sicherheitsplan gegen Terrorismus, den „Plan Vigipirate“, gewöhnt. Dazu kommt seit den Anschlägen auf die Redaktion des Satireblatts Charlie Hebdo im Januar 2015 noch die „Opération Sentinelle“ mit zahlreichen Soldaten und Polizisten in den Städten.

Touristen, die erstmals in Paris sind, wundern sich da manchmal. Worauf sollte man achten? Hier ein paar Tipps:

# An den Landesgrenzen gibt es verstärkt Kontrollen in den Zügen. Man muss deshalb gelegentlich mit leichten Verspätungen rechnen. Den Personalausweis sollte man immer dabei haben – auch beim Bummeln durch Paris. Auch auf der Autobahn kann es an der Grenze zu Kontrollen kommen.

Der Thalys im Pariser Bahnhof Gare du Nord

Der Thalys im Pariser Bahnhof Gare du Nord: Wer Gepäck dabei hat, muss eine Kontrolle wie am Flughafen über sich ergehen lassen.

# Hin und wieder passiert es in den Bahnhöfen bei einer Reise mit dem TGV, dass Ihr Ticket schon vor dem Einsteigen in den Zug am Bahnsteig kontrolliert wird. Seien Sie deswegen mindestens 20 Minuten vor Abfahrt des TGV am Bahnhof – das betrifft zur Zeit vor allem die TGVs ab der Gare de Lyon nach Marseille und Lyon. Dort wird seit April zudem von der Police Nationale gelegentlich das Gepäck vor dem Einstieg kontrolliert. Begleitpersonen dürfen dann nicht mehr bis zur Einstiegstür für das Abschiedsküsschen mitkommen. Fahrgäste, die mit dem Thalys von Paris nach Deutschland fahren und Gepäck dabei haben, müssen flughafenähnliche Sicherheitsschleusen passieren. Dafür sollten Sie sogar noch mehr Zeit einplanen, das Thalys-Personal an der Gare de Nord empfiehlt 30 Minuten. Wichtig: Wer mit der Bahn reist in Frankreich, muss sein Reisegepäck mit Adress-Anhänger versehen.

# Egal ob im Theater, Museum, Konzertsaal, in Kirchen oder bei Sehenswürdigkeiten: Beim Einlass schauen die Sicherheitsleute kurz in Handtaschen und Rucksäcke. Gibt es Schleusen, läuft das ab wie am Flughafen: Metallene Gegenstände (Smartphone, Geldbeutel, Schlüssel, teils auch Gürtel) müssen in die Wanne für den Scanner. Üblich bei den Sicherheitskontrollen an Eingängen ist inzwischen auch, dass man den Mantel öffnen muss (einige der Attentäter vom 13. November trugen Sprengstoffgürtel).

# Wohl kaum ein Franzose würde verstehen, wenn Sie sich wegen der Kontrollen an Eingängen aufregen würden. Man lebt damit, denn nach den jüngsten Ereignissen möchte man das Maximum an Sicherheit. (Auch wenn man weiß: Es geht wohl meistens eher um ein Sicherheitsgefühl, das vermittelt werden soll.) Sogar bei den großen Einkaufszentren wie Forum les Halles, La Défense und Beaugrenelle muss man bei den Eingängen die Handtasche kurz aufmachen. (Zwei der Attentärer vom November hatten vor, auch in La Défense einen Anschlag zu verüben.) Selbst vor internationalen Institutionen oder Sprachschulen wie der Alliance Française ist eine Kontrolle am Eingang üblich.

Kleine Veränderungen im Alltag: Vor dem Eingang des Tourismusbüros an der Gare de Lyon wird verlang, aus Sicherheitsgründen nach und nach einzutreten.

Kleine Veränderungen im Alltag: Vor dem Eingang des Tourismusbüros an der Gare de Lyon wird verlangt, aus Sicherheitsgründen nach und nach einzutreten.

# Lassen Sie nie eine Tasche, Tüte oder einen Rucksack irgendwo unbeaufsichtigt stehen – vor allem nicht in der Métro und in der RER. Auch nicht für kurze Zeit. Tagtäglich müssen Sie damit rechnen, dass es Verzögerungen, Zugausfälle und Streckensperrungen gibt bei Métro- und RER-Linien, weil herrenlose, verdächtige Gegenstände („colis suspects“) gefunden werden und dann zur Sicherheit unschädlich gemacht werden müssen. Allein auf der Strecke der RER A wurden 2015 täglich im Durchschnitt fünf colis suspects gemeldet – das waren doppelt so viele wie 2014.

# In Museen, Theatern oder bei Kulturveranstaltungen läuft wegen des Plan Vigipirate manches anders ab als früher. Deswegen: Es lohnt sich, vor dem Besuch auf die Website zu schauen. Beispiel: Eigentlich ist der Eintritt ins Fotografie-Museum Maison Européenne de la Photographie jeden Mittwochabend gratis. Aber weil es dadurch meistens zu einer langen Schlange auf dem Gehsteig kam, was man in diesen Zeiten vermeiden will, hat man dieses Gratis-Angebot gestrichen. (Trotzdem gibt es oft eine lange Schlange…) Manchmal sind auch zusätzliche Zweit-Eingänge zu Museen, Veranstaltungssälen oder auch Parks (wie dem Jardin du Luxembourg oder in Versailles) wegen des Plan Vigipirate derzeit geschlossen.

# Vor jüdischen Schulen und Kindergärten wie auch Synagogen sind Soldaten stationiert. Man sollte mit dem Auto nicht direkt vor den Eingängen dieser Einrichtungen anhalten, um zum Beispiel jemanden aussteigen zu lassen.

Wo viele Touristen, dort auch Soldaten: Abendstimmung mit Militär auf dem Vorplatz von Sacré Coeur.

Wo viele Touristen, dort auch Soldaten: Abendstimmung mit Militär auf dem Vorplatz von Sacré Coeur.

# Große Gepäckstücke, Koffer und Rucksäcke darf man wegen des Plan Vigipirate weder mit ins Museum, Theater oder in einen Konzertsaal nehmen, noch kann man sie wie früher an der Garderobe abgeben. Im Louvre zum Beispiel sind nur Taschen erlaubt, die höchstens die Maße 55 x 35 x 20 Zentimeter haben, sie müssen dann an der Garderobe abgegeben werden. Kleinere Umhängetaschen sind kein Problem. Wenn Sie also nach dem Auschecken aus dem Hotel noch Zeit für ein Museum haben, lassen Sie das Gepäck am besten noch in Ihrem Hotel an der Rezeption zurück.

# Schwer bewaffnete Soldaten und Polizisten gehören längst zum Stadtbild, gerade bei den beliebten Sehenswürdigkeiten. In Paris und in der Region Ile-de-France patrouillieren täglich 4000 bis 7000 Soldaten – der Einsatz trägt seit den Anschlägen vom Januar 2015 den Namen „Opération Sentinelle“. Passieren neue Anschläge wie kürzlich in Brüssel, wird die Zahl der Soldaten um mehrere hundert erhöht. Wenn Gruppen von Soldaten – etwa in der Métro oder RER – unterwegs sind: Sie mögen es manchmal gar nicht, direkt fotografiert zu werden und können sehr forsch reagieren.

Siehe auch: http://www.zeit.de/entdecken/reisen/2016-04/paris-tourismus-terror-sicherheit-alltag

 

Terrorsorge und Regierungstipps

Die Französin schwärmt nach dem Weihnachtskonzert von der neuen Pariser Philharmonie. „Was für eine tolle Akkustik!“ Ihr Mann stimmt ihr zu, während er den Wagen in Richtung Ringautobahn steuert. „Eigentlich wollte er gar nicht mitkommen, nach den Anschlägen“, fügt sie an. Dazu sagt ihr Mann jetzt nichts, vermutlich ist es ihm unangenehm, dass sie das erzählt. „Aber wir dürfen keine Angst haben“, schiebt sie noch hinterher. ––

In der Rue de Charonne herrscht Unsicherheit, was den Silvesterabend angeht. In dem Restaurant, wo am 31. Dezember seit vielen Jahren nach dem Menü vor dem Tresen immer getanzt wird, muss die Bedienung erst den Chef fragen, ob man dieses Jahr den Abend veranstaltet wie immer. „Naja, wegen der Anschläge bleiben die Touristen aus“, sagt sie. Nur wenige hundert Meter entfernt liegt eine der Bars, die von den Terroristen beschossen wurde. Am 13. November starben dort 19 Menschen. Der herbeigerufene Chef sagt: „Ja, klar machen wir unser Silvestermenü.“ In seinem großen Kalenderbuch sind gerade mal sieben Reservierungen für den Silvesterabend vermerkt – bei Dutzenden von Tischen. ––

Ratschläge für den Fall einer Terrorattacke: Es gibt beruhigendere Plakate als dieses...

Entkommen, verstecken, warnen: Ratschläge für den Fall einer Terrorattacke.

Im Bahnhof Gare de Lyon strömen die Reisenden zum TGV nach Marseille, als die Monitore dessen Abfahrtsgleis anzeigen. Doch ganz am Anfang des Bahnsteigs werden sie aufgehalten: Drei Mitarbeiter des Bahnunternehmens SNCF wollen die Tickets sehen und scannen. Die Schlange ist lang, Familienangehörige ohne Ticket dürfen nicht mit auf den Bahnsteig, um Adieu zu sagen. Verwunderung überall, doch die Reisenden sind geduldig. In diesen Tagen akzeptiert man es sogar, wenn man im kleinen Supermarkt um die Ecke seine Tasche für den Sicherheitsmann öffnen muss. ––

Am Rande der Bahnhofshalle hängt in einem Ständer ein neues Plakat, herausgegeben von der Regierung: mit gezeichneten Tipps wie man reagieren soll bei einer Terrorattacke. Für den Fall, dass man fliehen kann. Für den Fall, dass nicht. Die meisten Leute beachten es nicht. ––

http://www.gouvernement.fr/reagir-attaque-terroriste

Die Wiedereröffnung

Kartons voller Fruchtsäfte, Milch, ungesäuertem Brot, Sonnenblumenöl. Der halbe Gehsteig steht voller Paletten mit koscheren Lebensmitteln. Und schon wieder kommt ein Laster mit einer Lieferung. Drei Männer manövrieren eine Palette voller Eier vorbei in den Supermarkt Hyper Cacher. Zwei Polizisten mit Maschinengewehren an der Eingangstür schauen ihnen dabei zu und versuchen, nicht im Weg zu stehen.

Drinnen herrscht Gedränge. Mitarbeiter räumen die Lebensmittel in die neuen Regale. Platt getretene Kartons und Schutzfolie liegen auf den Böden. Dazwischen schieben Kunden ihren Einkaufswägen durch die engen Gänge. „Die Stammkundschaft kehrt wieder“, sagt der Filialleiter des Hyper Cacher, den hier alle nur Pedro nennen. Seit der Wiedereröffnung ist der Supermarkt gut besucht. „Das ist ein gutes Zeichen. Wir kehren langsam zur Normalität zurück“, sagt Pedro.

Normalität. Jeder hier wünscht sie sich. Doch jeder weiß, dass diesem Supermarkt die Normalität genommen wurde. Am 9. Januar hatte der islamistische Terrorist Amedy Coulibaly im Hyper Cacher an der Porte de Vincennes vier Franzosen jüdischen Glaubens erschossen: Yohan Cohen (20), der dort arbeitete. Yoav Hattab (21), François-Michel Saada (63) und Philippe Braham (45). Der Terrorist nahm Geiseln, bis eine Spezialeinheit den Supermarkt stürmte. Einige Kunden konnte sich in einem Kühlraum verstecken, darunter eine Mutter mit ihrem Baby. Die Welt sah zu und war geschockt.

Ein Polizist patrouilliert vor dem koscheren Supermarkt Hyper Cacher.

Ein Polizist mit schusssicherer Weste patrouilliert vor dem koscheren Supermarkt Hyper Cacher.

Fast drei Monate danach piepen an diesem Ort wieder die Scanner der Kassen. Fragen Kunden, wo der Kaffee steht. Öffnet sich die neue Schiebeglastür – die alte war von Maschinenpistolenkugeln durchsiebt. Ein Werkzeugkasten steht auf dem Boden, eine Bohrmaschine liegt umher. Handwerker ziehen Kabel an der Decke entlang: Sie arbeiten noch an der Alarmanlage und der Videoüberwachung.

„Wir versuchen, hier einigermaßen normal zu arbeiten“, sagt Mitarbeiterin Nathalie Touitou (47) und räumt dabei Honiggläser ins Regal. Touitou gehört zum neuen elfköpfigen Mitarbeiterteam. Denn die früheren Angestellten sind noch krank geschrieben, sind traumatisiert, „viele haben große Schwierigkeiten, wieder in ihr Leben zurückzufinden“. Manche von ihnen können keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen, weil sie auf Unbekannte panisch reagieren und Angst haben, dass plötzlich jemand erneut losschießen könnte.

Touitou war sich zuerst unsicher, ob sie die Stelle annehmen will. Bereits früher hatte sie drei Jahre lang in diesem Hyper Cacher gearbeitet, dann eine Pause gemacht. Jetzt nahm sie den Job wieder an. Touitou sagt Sätze, die in diesen Tagen viele hier sagen: Wir müssen zusammen stehen. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir müssen unsere jüdischen Traditionen bewahren. Die Terroristen haben nicht gewonnen. Sie selbst kannte eines der Opfer, den jungen Kassierer Yohan Cohen. „Vielen Kunden fällt es schwer, hierher zu kommen“, sagt sie, „manche haben Tränen in den Augen, wenn sie hier einkaufen.“ Auch Muslime und Christen – teils aus anderen Vororten oder aus Paris – machten in den vergangenen Tagen aus Solidarität hier Einkäufe.

Nathalie Touitou beim Einräumen der Regale

Nathalie Touitou beim Einräumen der Regale

Nathalie Touitou sagt, dass seit den Pariser Anschlägen in vielen jüdischen Familien hier im Pariser Osten die Alya Thema ist, das Auswandern von Juden nach Israel. Doch sie will hier bleiben, obwohl sie Angehörige in Israel hat, die sie gerne aufnehmen würden. „Ich bin hier aufgewachsen, bin Französin, habe meine Brüder und Schwestern hier. Ich mache in Israel gerne Urlaub, aber leben will ich hier.“

Für die vielen Franzosen jüdischen Glaubens in den östlichen Pariser Vororten Vincennes und Saint-Mandé ist der koschere Supermarkt sehr wichtig. Die Wiedereröffnung der Filiale hätte niemals in Frage gestanden, sagte Laurent Mimoun, einer der Chefs der Hyper-Cacher-Kette, die in Paris elf Geschäfte hat. In einer Pressemitteilung schrieb das Unternehmen, dass man an alle Opfer und deren Angehörigen denke. Mit dieser Wiedereröffnung wolle man ein Zeichen setzten, dass das Leben immer stärker sei als die Barbarei. Auch die Regierung will diese Botschaft vermitteln. Der erste Kunde bei der Wiedereröffnung war Innenminister Bernard Cazeneuve. Er kaufte zwei Flaschen koscheren Wein, lobt den Mut der Geschäftsführung zur Wiedereröffnung und das damit verbundene Signal, dass man entschlossen sei, weiterhin in Freiheit in diesem Land zu leben.

Der Laden, stark zerstört durch die Geiselnahme und die Erstürmung durch ein Spezialkommando, wurde komplett renoviert. Neue Regale, anders aufgestellt. Ein neuer schwarzer Fließenboden. Die Kassen sind an der alten Stelle, aber ebenfalls anders ausgerichtet. Nachbarn boten bei den Arbeiten Hilfe an, die Handwerker arbeiteten mehr und schneller, als sie eigentlich mussten. Die Außenfassade erhielt einen neuen, helleren Anstrich und ein neues rot-blaues Hyper-Cacher-Schild. Der Ort, an dem Grausames passierte, sollte komplett anders aussehen.

Dennoch ist für viele der Gang in diesen Supermarkt kein leichter. „Mir war sehr mulmig, als ich das erste Mal wieder hier einkaufte, und gleichzeitig traurig, weil hier diese Morde passierten“, sagt Sandrine Dayan. Die Mutter dreier Kinder hat für das Mittagessen einkauft und schiebt den Kinderwagen mit ihrem fünfmonatigen Sohn Aron. „Aber es ist wichtig, hierher zurückzukommen und den Supermarkt zu unterstützen – wie alle auch Charlie Hebdo unterstützten.“

Dayan wohnt mit ihrer Familie nicht weit entfernt vom Hyper Cacher, im benachbarten Saint-Mandé, wo über 40 Prozent der Bevölkerung jüdischen Glaubens sind. Sie und ihre Familie erinnern sich nur zu gut an die beiden Anschläge vom Januar. Denn Dayans Mutter wohnt gegenüber von der Redaktion der Satirezeitung Charlie Hebdo, sie hörte die Schüsse und Schreie auf der Straße. Sandrine Dayan selbst war nur eineinhalb Stunden vor der Geiselnahme im Hyper Cacher mit ihrem kleinen Sohn selbst in diesem Supermarkt, „um so was Idiotisches wie eine Dose Ravioli zu kaufen“, sagt sie. „Das Schicksal meinte es gut mit uns.“ Ihre Mutter möchte nicht, dass sie hier einkauft – schon gar nicht mit dem Kind. Aber sie macht es trotzdem aus Solidarität. „Jeder hier weiß, dass etwas Ähnliches überall wieder passieren kann – wir sind nirgendwo völlig sicher.“

Draußen ist Wachablösung bei den Polizisten. Seit den Anschlägen erleben die Sicherheitskräfte viele freundliche Gesten, auch hier an der Porte de Vincennes. „Die Leute grüßen uns, kommen auf uns zu, sagen mir, dass meine Arbeit wichtig ist – da wird es mir warm ums Herz“, sagt einer der beiden Polizisten. Immer wieder fragen Kunden, ob sie Hunger hätten oder einen Kaffee möchten. Angst, gerade hier Patrouille schieben zu müssen, habe er nicht. Er sei aber sehr wachsam, einmal habe es hier schon eine Verhaftung gegeben, weil jemand eine israelische Fahne verbrannt hat.

Normalität sieht anders aus. Auch die Absperrgitter sorgen weiterhin für einen Sicherheitsabstand vor dem Markt. Vor ihnen liegen immer noch die vielen Blumen von der Zeit nach dem Anschlag. Sie sind längst braun und verwelkt, aber sie erinnern weiter an den 9. Januar.